Schluss für Wolfsmenschen

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pingwolf«Wolfsmenschen»-Moderator Wolf Buchinger versucht seinem Hund Pingpong die Schweiz schmackhaft zu machen. (Bild: pd)

HAGENWIL. Mit Gästen wie Kurt Felix, Emil Steinberger und Kurt Aeschbacher hat Wolf Buchinger einen Hauch von Glamour gebracht. Nun setzt das Ostschweizer Fernsehen die Sendung «Wolfsmenschen» nach fünf Jahren ab.

HUGO BERGER

«Kamera aus! Die Sendung ist im Kasten.» Moderator Wolf Buchinger nickt zufrieden, und sein Gast, Monika Kaelin, lacht entspannt ins Publikum und geniesst den Applaus. Das war vor drei Wochen die letzte Aufzeichnung der Sendung «Wolfsmenschen» im Obstkeller des Schlosses Hagenwil. Es sei nicht eine Frage der Qualität, sagte Programmdirektor Daniel Sager, die Sendung sei gut angekommen, aber Tele Ostschweiz (tvo) wende sich nun anderen Projekten zu.

Es gab sogar Tränen

Für Wolf Buchinger kommt das Aus der Sendung unerwartet und zu früh. «Ich hätte gerne noch die 50. Sendung gemacht.» Dafür hatte er auch schon einen interessanten Gast: Udo Jürgens. Dieser rief den Moderator zwei Tage nach der Absetzung der Sendung an, um ihm mitzuteilen, dass er nach Hagenwil komme. «Viele Zuschauer bedauern das Ende der Sendung, es hat sogar Tränen gegeben», weiss Wolf Buchinger. Er gehe ohne Groll, aber er bedauere, dass tvo einmal mehr eine spezifische Ostschweizer Sendung vom Programm streiche, betont der Medienmann, der etliche Bücher verfasst hat und regelmässig für den «Nebelspalter» schreibt.

Mit Kutschenfahrt überredet

Die Geburtsstunde der Sendung war vor fünf Jahren in einem Café in Amriswil. «Ich traf mich mit Produzent Roland Gutjahr und erläuterte ihm das Konzept. Er hörte aufmerksam zu und sagte dann einfach: Mach es!»

Gegen fünfzig prominente Gäste hat der Moderator und Schriftsteller aus Goldach in Hagenwil interviewt. War es schwierig, die Stars nach Hagenwil zu locken? «Ganz unterschiedlich», erzählt Buchinger. «Bei Emil Steinberger dauerte es vier Jahre. Ich habe ihm immer wieder geschrieben. Überreden konnte ich ihn schliesslich, indem ich ihm eine Kutschenfahrt im Thurgau anbot.» In seltenen Fällen, so etwa bei Beni Thurnheer, habe er einfach angerufen und auch spontan eine Zusage erhalten.

Auch mal ins Schwitzen geraten

Wolf Buchinger wirkte in den Sendungen stets besonnen, ruhig, ja zurückhaltend – und genau das war auch seine Absicht, wie er erklärt: Er habe immer darauf bestanden, nicht mehr als 20 Prozent im Bild zu sein, denn: «Im Mittelpunkt stand immer der Gast, und nur wenn man ihn reden lässt und nicht dauernd dazwischen fährt, erzählt er auch Dinge, die er sonst nicht preisgibt.»

Oft ganz anders als im Interview zeigten sich die Gäste im Vorgespräch, welches vor der Aufzeichnung in einem separaten Zimmer stattfand. «Manche Gäste gehen nervös im Zimmer auf und ab, andere nehmen mit ihren Utensilien den ganzen Raum in Beschlag oder genieren sich nicht, sich vor meinen Augen umzuziehen.» Da sei auch schon mal sein Rat gefragt gewesen, welches Kleid man denn anziehen soll. Richtig ins Schwitzen kam der 69- Jährige, als eine Country-Sängerin im Vorgespräch seine Fragen nicht verstand und ständig ein anderes Thema anschnitt; sie sei mit Drogen aufgeputscht gewesen, erzählt der scheidende Moderator.

«Sympathischer Sauschwoob»

Die Sendungen in Hagenwil hätten ihm den Thurgau und dessen Bevölkerung nähergebracht, erklärt der gebürtige Schwabe, der sich selbst als «Schweizer gewordener Deutscher» bezeichnet. Besonders gefreut habe ihn folgendes Lob eines Zuschauers: «Lieber Wolfsmensch. Am Anfang war ich skeptisch, aber jetzt muss ich sagen: es gibt auch sympathische Sauschwoobe.»

Morgen Sonntag, 6. Januar, wird «Emil zum 80. Geburtstag», die letzte und längste «Wolfsmenschen»-Sendung, ab 18 Uhr stündlich wiederholt auf tvo laufen.

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